...sind scheinbar auch nicht das was sie mal waren. Oder zumindest nicht das, was man glaubt dass sie sind. In den letzten paar Wochen hab ich versucht, zwei traditionelle britische Feiertage zu begehen, aber die Schotten scheinbar nicht.
Zuerst natürlich den fünften November. Remember, remember the fifth of November? Ich hätt ihn fast vergessen, wenn mich nicht jemand darauf aufmerksam gemacht hätte. Für alle, die es nicht wissen, am fünften November ist Guy Fawkes Night oder Bonfire Night. Der Feiertag signalisiert den Versuch des Guys, das englische Parlament in die Luft zu sprengen, was ihm aber leider nicht geglückt ist und wofür er aber trotzdem aufgehängt wurde. Zur Feier dieses...ähm...glorreichen Nicht-Ereignisses zündet man jedenfalls landesweit Lagerfeuer an, auf manchen von denen werden Strohmänner verbrannt, die den Guy darstellen sollen. Das wird aber hierzulande oft weggelassen, weil man nicht unbedingt mit England sympatisieren, sich aber gleichzeitig auch nicht eine Möglichkeit für ein Besäufnis entgehen lassen will. Außerdem gibt es Feuerwerk.
Es hat mich also eine Mitbewohnerin gefragt, ob ich denn zum Lagerfeuer gehn würde und ich hatte keine Ahnung wieso ich das machen sollte. Mach ich nicht mal zu Ostern (hab Angst vor Feuer). Dann ist es mir gedämmert - klar, Fifth of November und so. Ich hatte etwas romantische Vorstellungen von dem Tag, nachdem ich wie so viele andere den Film 'V for Vendetta' gesehen hatte und das implizierte die Überzeugung, ich müsste jetz unbedingt zu einem Lagerfeuer. Immerhin war es am Strand. Steffi und ich haben also was gegessen und sind dann zum Strand - zu spät, aber ich greife vor. Es gab nämlich gar kein Lagerfeuer und keine Strohmännchen, sondern nur das riesigste Feuerwerk das ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich hab Angst vor Feuerwerk, hab ich das schon mal erwähnt? Es war aber trotzdem beeindruckend. Als wir am Strand angekommen sind, standen tausende von Menschen auf der Wiese herum, TAUSENDE! Wie in Woodstock. Zwischen den Leuten gab es Verkaufsstände wo man sich Glowsticks (Leuchtstaberln) und Schnitzelsemmeln (nein, aber was zum Essen halt) kaufen konnte. Mit den Glowsticks haben die Kinder, die in großer Zahl anwesend waren, wild herumgefuchtelt. Das sieht man normalerweise nur auf Raves oder auf der Loveparade. Das Feuerwerk dauerte nur 20 Minuten und hat pünktlich angefangen. Deswegen sind wir auch zu spät gekommen, weil wir dachten, sie würden zuert ein paar Stunden gemütlich was verbrennen und dann erst Feuerwerk machen. War aber nicht so. Die letzten 5 Minuten Feuerwerk haben wir noch mitbekommen und dann hat sich die Menschenmenge wieder aufgelöst. Meine Kamera ist nutzlos im Dunkeln, aber ein paar Fotos hab ich trotzdem geschafft. Sie sind zwar verschwommen, aber ich glaub man kann was erahnen.
Nach dem Feuerwerk sind alle Einheimischen nach hause gegangen, um noch mehr Feuerwerk zu zünden. Steffi und ich wollten eigentlich an den richtigen Strand gehen, der war aber gesperrt, weil dort noch riesige Profi-Feuerwerkskörper waren, die detonieren hätten können. Also sind wir stattdessen auf einen Hügel geklettert. Im Dunkeln. Gott sei Dank hat mein Handy eine Taschenlampe, sonst hätt ich mir das Genick gebrochen. Auf dem Hügel hatte man aber eine tolle Aussicht auf das dunkle Meer (mit Mond oben drauf) und ganz Aberdeen. Man konnte sehr gut die kleineren Feuerwerke sehen, die überall in der Stadt privat gezündet wurden. Wir haben auf dem Hügel noch einen Cider getrunken und glowstickende Kinder beobachtet. Dann hat uns die Kälte wieder heim getrieben.
Der zweite schottische Feiertag, der eigentlich gar keiner ist, ist der St. Andrew's Day. Der St. Andrew ist der Schutzheilige von Schottland. Der Schutzheilige von England ist der St. George und der von Wales der St. David....übrigens. Und der von Irland?? Jep, selbstverständlich der St. Patrick. Tatsächlich ist der St. Patrick's Day der einzige dieser Heiligenverehrungstage, der sich einigermaßen durchgesetzt hat und zwar international. Und natürlich hat er die Iren in unseren Herzen verwurzelt und so. Die drei restlichen britischen Heiligen werden aber sehr oft übersehen. Das könnte daran liegen, dass die nationale Identität im Vereinigten Königreich nicht so stark ausgeprägt ist wie in Irland oder daran, dass es dort mehr Protestanten gibt und die glauben angeblich nicht an Heilige.
Jeedenfalls hab ich wieder zufällig von einer Passantin am Abend des 22. November erfahren, dass St. Andrews Day ist und dass es deswegen in der Chaplaincy am Campus ein Fest mit ganz viel gratis schottischem Zeug gibt. Ich bin also wieder mit Steffi und Katherine (meiner englischen Mitbewohnerin) hingegangen. Zwei Pfund war Eintritt und es gab ganz viel billigen Alk und Shortbreat vom Lidl. Dass man die 2 Pfund wieder reinbekommen hat, musste man schon ziemlich viel trinken (was wir eh gemacht haben). Das Haggis hab ich leider, LEIDER schon WIEDER verpasst, ich glaub es soll einfach nicht sein. Ich bin nach wie vor so untröstlich, dass mir der übertriebene Sarkasmus bei den Augen raustropft. Bzw. das Haggis war eh noch da, aber es war kalt, das kann man ja nimmer essen, also wirklich nicht. Zwei Typen hatten übrigens einen Kilt an, der Rest war Erasmus.
An ein paar Häusern hab ich am nächsten Tag doch ein paar schottische Flaggen und ein paar Nessies (scheinbar Schottlands inoffizielles Wappentier) gesehen, aber man musste schon sehr genau schaun. Aber ich reg mich nicht auf, mir würde im Leben nie einfallen, eine kärntner Flagge irgendwo hinzuhängen und die von Österreich schon gar nicht. Nur weil ich mir manchmal einbilde, Tourismus betreiben zu müssen, heißt das nicht, dass die armen Schotten plötzlich den St. Andrew's Day feiern müssen, wenn sie das nicht wollen. Das ist übrigens die schottische Flagge:
Achja und den toten Fisch haben die Möwen gefressen.
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