Nuff said.
Hm nein, nicht wirklich, oder? Also fangen wir am besten von vorne an. Was für ein Wochenende! Ich hatte mindestens 3 Jahre Schlaf nachzuholen, deswegen kommt der Eintrag auch ein bisschen später. Außerdem hab ich gestern mein letztes Referat auf der Uni hinter mich gebracht, hab also heute den ganzen Tag Zeit um Wäsche zu waschen, zu putzen und allerlei anderen zeitintensiven Krempel zu erledigen, so wie Blog schreiben.
Also, nach Edinburgh wollte ich ja schon länger fahren, habs mir aber immer wieder aufgespart, weil im Dezember dort ein ganz berühmter Weihnachtsmarkt stattfindet, den ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte, weil es mir nach Glüh dürstet! Die Katherine, meine englische Mitbewohnerin, war ebenfalls begeistert von der Idee und kennt außerdem jemanden, der in Edinburgh studiert und bei dem wir übernachten können - perfekt.
Am Samstag Mittag gings los mit Megabus. Mittag deswegen, weil die Nora, meine italienische Mitbewohnerin am Freitag ganz groß in der Stadt ihren Geburtstag feiern wollte, also war früh aufstehen wohl keine besonders gute Idee. Wir hatten recht, sie hat ziemlich groß gefeiert und als (eh erst) um 10 am Samstag mein Wecker geläutet hat, hab ich mich gefühlt wie ein Zombie. Ich hab dann durch lautes Klopfen die Kath, die ihren Wecker um 9 wie sich heraus gestellt hat, ohne aufzuwachen gekillt hat, aufgeweckt und in Windeseile gefrühstückt und meine Sachen zusammen gepackt. Im Bus haben wir geschlafen.
Als wir in Edinburgh angekommen sind, war es schon dunkel, was aber nur zur Atmosphäre beigetragen hat. Edinburgh ist eine irrsinnig schöne und romantische Stadt volle enger, verwinkelter Gassen und hübscher, verschnörkelter Gebäude. Abends ist die ganze Stadt in das warme orange Licht von Straßenlaternen getaucht und gegen diesen Hintergrund ragen als dunkle Schatten geheimnisvolle Kirchtürme in die Höhe. Man kommt sich ein bisschen vor wie in einem Harry Potter Roman....oder wie im Disneyland. Beim Aussteigen hab ich dann bemerkt, dass Edinburgh auch noch gut riecht! Die Stadt hat einen ganz eigenen Geruch, weil sich direkt in der Mitte die Caledonian-Brauerei befindet. Der Geruch ist aber nicht so beißend wie der von der Villacher-Brauerei, sondern irgendwie angenehm und unaufdringlich.
Am Busbahnhof hat uns dann gleich der Sam, ein Freund von der Katherine aus Newcastle, der in Edinburgh studiert, abgeholt. Er ist irrsinnig nett und begeisterungsfähig und hat sofort angefangen, wild drauf los zu plaudern. Am Platz vor dem Busbahnhof hat eine Rockband gespielt, einfach so: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Edinburgh ist nämlich auch eine Hochburg der Künste und berühmt für seine Straßenkünstler- und Festivals.
Apropos Hochburg: direkt in der Mitte von Edinburgh befindet sich das gigantische Schloss auf einem dazugehörigen Schlossberg. Man hat es von fast überall im Blick und nachts ist es beleuchtet. Leider konnte ich im Dunkeln keine Fotos machen, weil meine Kamera die immer verwackelt.
Beim Sam im Studentenheim haben wir dann schnell unsere Sachen abgelegt und seine diversen Mitbewohner kennen gelernt, die allesamt ziemlich nett waren. Dann haben wir Spaghetti gegessen, weil wir von der Fahrt komplett ausgehungert waren und haben uns zu viert (wir beiden Aberdeener, Sam und ein halb-Franzose-halb-Deutscher namens Kev) wieder auf den Weg in die Stadt gemacht. Die erste Station war ein gemütliches Pub namens Greyfriars oder so, wo man billiges Guiness trinken konnte, was wir dann auch gemacht haben. Außerdem hat sich eine weitere Newcastlerin namens Jane zu uns gesellt.
Nach dem Vorglühen sind wir über eine herzige Gasse, die sich später als die berühmte Royal Mile herausstellen sollte, zum Weihnachtsmarkt gegangen. Der sah tatsächlich so aus wie unsere österreichischen Christkindlmärkte! Die Verwunderung darüber ist aber gewichen, als sich herausstellte, dass es sich dabei tatsächlich um einen deutschen Weihnachtsmarkt handelt. Komplett mit aus Deutschland importierten Waren und Personal. Vor dem deutschen Markt gab es allerdings eine kleine schottische Ecke, wo man alle möglichen schottischen Speisen und Getränke kaufen konnte. Die EngländerInnen zog es aber Richtung deutsch, also sind wir dort rein gegangen.
Die waren dann auch gleich begeistert vom ersten Glühwein, den ich ihnen in die Hand gedrückt habe und waren fest entschlossen, sich durch sämtliche Sorten durchzuprobieren. Kath und ich machten uns währenddessen auf die Suche nach was zum Essen, weil wir schon wieder hungrig waren. An einem Stand hab ich eine Leberkäsesemmel ausfindig gemacht und versucht, ihr die anzudrehen (obwohl ich die selber nicht so gern mag), weil es sich dabei um das wiener Nationalgericht handelt. Leider war sie auch nicht begeistert von Leberkäsesemmeln und so musste ich sie aufessen. Ach, der Geschmack der Heimat.
Vom Geschmack der Heimat war mir dann so schlecht, dass ich nichts mehr trinken wollte. Die Männer waren schon bei Punsch Nummer drei und voller Konzentration dabei, die diversen Inhaltsstoffe zu analysieren. Außerdem hatten wir schon die Taschen voller Glühweintassen, die sie mitgehen lassen wollten. Diese schöne deutsch-österreichische Tradition eignet man sich scheinbar instinktiv an. Im Endeffekt waren wir aber eh nur eine halbe Stunde am Markt, weils schon 10 war und nach 22 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden, außer in lizensierten Pubs und Lokalen.
Zu meiner großen Erleichterung sind wir dann nicht noch fortgegangen (war ziemlich müde), sondern zurück ins Studentenheim, wo wir noch bis 4 Uhr morgens Filme geschaut und X-Box gespielt haben. Ja, ich weiß, das ist nicht unbedingt das, was man an einem Wochenendtrip machen sollte, aber wir hatten beide schon seit Monaten keinen Fernseher mehr gesehen, geschweige denn eine X-Box. Geschlafen haben wir in in Sclafsäcken auf einer Matratze in Sams Zimmer. Das war sogar bequemer als ich es mir vorgestellt hatte.
Am nächsten Morgen sind Kath und ich wieder vorbildlich früh (um 10) aufgestanden, um uns ein bisschen touristisch zu betätigen. Das bedeuted konkret: "the Castle and everything".
Also erstmal nur the Castle. Der Tag war wunderschön, keine Wolke am Himmel, strahlender Sonnenschein. Als wir also den Schlossberg erklommen hatten, hatten wir eine tolle Aussicht auf Edinburgh. Ich hatte ganz vergessen, dass die Stadt ja auch am Meer liegt, aber vom Schlossberg aus konnte man es in der Ferne blau aufblitzen sehen, genau wie die grünen Hügel, von denen Edinburgh umgeben ist.
Das Schloss ist nur teilweise betretbar ohne dass Eintritt verlangt wird. Da der Eintritt aber ziemlich teuer ist, wollten wir nur so weit rein gehen, wie ohne Ticket erlaubt ist, bzw. bis uns jemand aufhält. Wir sind also ein bisschen in dem riesigen Schlossgelände herumgewandert. In einem Gebäude konnte man sich die originalen schottischen Kronjuwelen, bestehend aus einer fetten Krone, einem lächerlich riesigen Schwert und einem ebensolchen Zepter, anschauen. Als wir dieses Gebäude verließen, fiel uns auf, dass wir für diesen Teil des Schlosses wohl doch Eintritt hätten zahlen sollen. Ups, zu spät. Keiner hat uns je nach einem Ticket gefragt - selber Schuld. So leicht ist es also, ein Schloss einzunehmen.
Vom Schloss runter in die Stadt führt die bereits erwähnte Royal Mile. Das ist eine nette Gasse, die wie der Name schon sagt, fast eine Meile lang ist. Die Gebäude entlang dieser Straße sind sehr hübsch und so wies aussieht ist die ganze Meile eine Fußgängerzone. Hauptsächlich ist sie aber wohl für Touristen angelegt, es gibt fast nur Souvenirshops und links und rechts stehen Menschen in Kilts, bewaffnet mit Dudelsäcken. Einen Typ in vollem Mel Gibson William Wallace- Kostüm gab es auch, inklusive blauer Farbe im Gesicht. Mit dem konnte man sich fotografieren lassen, wenn man ihm ein bisschen Geld gegeben hat. Selbiges hat ihn auch dazu veranlasst, laut und grimmig Kampfzitate aus dem Film "Braveheart" zu brüllen. Edinburgh=Disneyland=Hollywood.
Die Kath wollte als letztes nochmal auf den Weinachtsmarkt, weil wir am Tag zuvor nicht wahnsinnig viel Zeit hatten, uns den anzuschaun. Dort haben wir dann wieder mal was gegessen (diesmal so eine schottische Schweinsbratensemmel) und ein Glühbier getrunken. Ein Glühbier bitte! Ich hab nicht gewusst, dass sowas offiziell existiert und mich ein bisschen vor dem Geschmackserlebnis gefürchtet, vor allem weil es sauteuer war. Das Glühbier war aber im Endeffekt köstlich! Hat überhaupt nicht geschmeckt wie Bier, sondern ein bisschen säuerlich und nach Kirsche.
Dann mussten wir in Windeseile zurück zum Sam unsere Sachen holen. Wir haben die Abkürzung durch einen Park und einen Friedhof genommen, wo irgendjemand einfach so mit einer hübschen Stimme schottische Volkslieder gesungen hat,ohne dass er Geld dafür haben wollte. Ja, sowas passiert im Disneyland.
Im Bus wollten wir wieder schlafen, aber leider war er ziemlich voll und der Busfahrer war wahnsinnig. Er hatte einen ziemlich grimmigen Sinn für Humor, einen breiten Glasgow-Akzent und hat jedes Mal laut geflucht, wenn ihm irgendwas nicht gepasst hat. Außerdem ist auf der Autobahn der Bus überhitzt, weswegen wir erstmal eine Dreiviertelstunde gewartet haben und schließlich in einen anderen Bus übersiedelt wurden. Im war mittlerweile so müde, dass ich lustige Bilder in die angeschlagenen Scheiben des Busses reinhalluziniert habe, aber auf das möchte ich nicht genauer eingehen.
Jedenfalls möchte ich auf jeden Fall nochmal nach Edinburgh fahren, um mir den Rest anzuschaun. Die Stadt ist nämlich ziemlich groß und es gibt sehr viel zu sehen.
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