Mittwoch, 27. Januar 2010

Nochmal Edinburgh

Ich sollte das jetzt eigentlich nicht machen, weil ich hab übermorgen eine gigantische Prüfung. Wahrscheinlich mach ichs also gerade deswegen. Egal, machen wirs eben im Schnelldurchlauf. Wär doch irgendwie blöd, wenn ich noch Schottland-Blog schreiben würde wenn ich schon wieder in Österreich bin (in 4 Tagen...unfassbar!!!)

Letzten Donnerstag bin ich also wieder in die Hauptstadt zurückgekehrt, weil ich das letzte Mal nicht so viel Zeit hatte, mir alles angeschaun. Begleitet hat mich die Stefanie, eine nette Kollegin aus Deutschland, die ich im Literaturkurs kennen gelernt habe. Wir sind in aller Herrgottsfrühe losgefahren und waren schon um 11 in Edinburgh. Dort haben wir gleich in unser Hostel auf der High Street/Royal Mile eingecheckt. Sehr gute Lage für ein Hostel, mitten im Touristenviertel. Saubillig wars auch. Dafür war es aber auch mehr als basic. Die hatten nicht mal Schließfächer wo man seine Sachen einsperren konnte, aber es war ja eh nur für eine Nacht.

Nach dem Einchecken haben wir uns gleich auf den Weg zum National Museum of Scotland gemacht, unterwegs wurden wir allerdings von diversen anderen Sehenswürdigkeiten abgelenkt. Zuerst mal vom Museum of Childhood. Das ist ein winziges Spielzeugmuseum direkt auf der Royal Mile. Sehr interessant: man konnte sich lauter Spielzeug aus den letzten 200 Jahren und den verschiedensten Ländern anschauen. Das Museum war das erste seiner Art auf der ganzen Welt. Ironischerweise mochte der Gründer aber eigentlich gar keine Kinder.



Die zweite Ablenkung war ein Pie Shop in den wir reingegangen sind, weil wir Hunger hatten. Ich hatte seit ich hier bin noch kein Cornish Pasty (eine volle Mahlzeit bestehend aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, eingewickelt in Blätterteig) gegessen und konnte das endlich nachholen.

Das National Museum of Scotland selber ist architektonisch recht zweigespalten. Es gibt einen alten Teil, der aber momentan renoviert wird. Der moderne Teil ist wirklich sehr modern und ziemlich labyrinthartig aufgebaut. Das ganze Museum beschäftigt sich auf sieben Stockwerken fast ausschließlich mit Schottland. Im Keller wird die Steinzeit besprochen und die restlichen Stockwerke stellen jeweils ein anderes Jahrhundert dar. Und zwar in allen Bereichen: Geschichte, Geographie, Wissenschaft, Kultur, Kunst, usw. Angefangen haben wir aber am Dach, wo man einen tollen Blick auf die Stadt hatte.

Außerdem gabs am Dach eine Ausstellung von lebendigen, schottischen Pflanzen, wie sie in den verschiedenen Gebieten Schottlands vorkommen.



Die nächsten zwei Stunden haben wir dann direkt im Museum verbracht. Einen Großteil der Zeit vor einem Bildschirm, wo ein Film gelaufen ist, in dem verschiedene SchottInnen zu ihrer nationalen Identität interviewt wurden. Das war sehr interessant und auch unheimlich witzig. Der Museumswächter ist einige Male schmunzelt an uns vorbeigegangen, weil wir von dem Film einfach nicht genug bekommen konnten. Als wir dann noch ein paar Exemplare von Harry Potter (wurde in Edinburgh geschrieben) fotografiert haben, hat er uns angesprochen und uns auf ein paar Ausstellungsstücke hingewiesen, die J.K. Rowling angeblich beim Schreiben inspiriert haben sollen und auch im Buch vorkommen. Details, Details... 

Pünktlich zu Betriebsschluss haben wir dann das Museum verlassen, es war schon dunkel. Gegenüber befindet sich das Elephant House, das Lokal in dem Harry Potter angeblich geschrieben wurde. Allerdings hat uns der Museumsangestellte gesagt, dass das eigentlich gar nicht stimmt. Geschrieben wurde das Buch in einem Lokal, das es mittlerweile gar nicht mehr gibt und das Elephant House hat ihm einfach nur den Ruhm geklaut. Das hat mich eh nicht besonders schockiert, weil so ein großer Fan von Harry Potter bin ich jetzt auch wieder nicht. Wenn man das Buch liest, kann man aber bei manchen Stadtbeschreibungen schon ein bisschen Edinburgh-Flair durchscheinen sehen.



Anyway, nachdems schon dunkel war und alle Attraktionen geschlossen hatten, beschlossen wir spontan, ins Kino zu gehen. Nur war auf meinem Stadtplan im Umkreis von zwei Meilen kein Kino eingezeichnet. Mit der Hilfe von verschiedenen Einheimischen saßen wir dann aber plötzlich in einem Bus Richtung Ocean Terminal. Das ist ein riesiges Einkaufszentrum mit Kinokomplex am Meer und weit weg vom Touristenviertel. Die Busfahrt dauerte eine Ewigkeit und führte uns auch durch Leith. Leith ist das Viertel in dem Irvine Welshs "Trainspotting" spielt, ein Buch auf dessen Spuren ich mich viel lieber begeben hätte, als auf die von Harry Potter. Dazu hatte ich zwar nicht die Möglichkeit, aber immerhin hab ich Leith im Vorbeifahren gesehen. Beim Ocean Terminal angekommen, hatten wir dann das Glück, dass gerade ein Film angefangen hat, den wir sowieso gerne sehen wollten, und zwar "Sherlock Holmes". Der Film war zwar nicht so cool, wie ich ihn mir eigentlich vorgestellt hätte, aber trotzdem unterhaltsam. Die Stefanie hat mir bevor der Film angefangen hat, aber erzählt, dass der angeblich einen homoerotischen Subtext haben soll (hat sie gelesen) und dass wir doch jetzt drauf achten sollten, wo wir das schon wissen. Also hab ich halt darauf geachtet und konnte mich vor lauter Filmanalyse nicht mehr ganz auf die Handlung konzentrieren - hahaha!

Nach dem Kino haben wir uns dann abgehetzt, wieder in die Stadt zu kommen, wir wollten nämlich an einem Ghost Walk teilnehmen. Die gibts im UK zwar im Tourismusprogramm jeder Stadt, in Edinburgh gibts aber wirklich Unmengen von verschiedenen Ghost Walks. Das ist eigentlich eh nicht verwunderlich, weil in Edinburgh bekommt man in der Innenstadt manchmal das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben, vor allem bei Nacht. Es gibt Unmengen von kleinen engen Seitengassen, Untergrundpassagen und Katakomben, die man nie finden würde wenn man nicht danach sucht und in denen sich vor langer Zeit sicher einiges Gruseliges zugetragen hat. Edinburgh ist schließlich die Hauptstadt, also wurden hier viele Leute hingerichtet, gefoltert, ermordet und ausgeraubt, so wie in jeder vernünftigen Hauptstadt.

Wir hatten jedenfalls die Qual der Wahl, an welcher Ghost Tour wir teilnehmen sollten. Es gab eine ganz Schauerliche im Angebot, die war aber ab 18 und ich fürchte mich bestimmt bei Sachen, die eigentlich für Erwachsene bestimmt sind, weil ich bin ziemlich schreckhaft. Entschieden haben wir uns dann für eine gratis-Tour, eigentlich eh logisch. Alle anderen kosteten so zwischen 8 und 12 Pfund. Abgehalten wurde die Tour von einem älteren, ein wenig abgekämpften und in mittelalterlich anmutende Fetzen gekleideten Männchen mit einem Rucksack. Vorgestellt hat er sich als William Burke Esq, hingerichtet am 28. Jänner 1829. Ein richtiger Geist also!  Weit weg hat er uns nicht geführt, wir sind immer in der Nähe der Royal Mile geblieben. Seine Geschichten waren auch nicht wirklich gruselig, sondern ziemlich witzig. Wir sind ein paar Mal fast am Boden gelegen vor Lachen. Natürlich war die Tour dann nicht gratis, sondern mit freiwilliger Spende. Aber wenn man mindestens 5 Pfund gespendet hat, hat der Geist einem ein Buch über schottische Geschichte geschenkt, das er selbst geschrieben hat. Das ist angeblich im selben Stil geschrieben, wie seine Tour erzählt war, dürfte also recht unterhaltsam sein.

Nach der Tour sind wir noch schnell was Essen gegangen und dann sofort in die Stockbetten des Hostels. Gott, hab ich schlecht geschlafen. Mir haben die ganze Zeit von den Ohropax die Ohren gejuckt. Mir hat überhaupt alles gejuckt und der Typ im Bett gegenüber von mir hat die ganze Zeit rumgekramt und schließlich angefangen zu schnarchen wie ein Sägewerk. Einige STunden Schlaf dürfte ich aber trotzdem geschafft haben.

Am nächsten Morgen wollte die Stefanie eine Sightseeing-Tour mit dem Bus machen. Ich hab sowas in meinem Leben noch nie gemacht, weil ich irgendwie drauf stehe, blind zu Fuß herumzurennen, mich dabei zu verlaufen und in unangenehme Situationen zu geraten, aber man muss alles im Leben mindestens ein Mal ausprobieren (außer Haggis und Heroin) also hab ich mir gedacht warum nicht. Das Ticket war den ganzen Tag gültig, also konnte man ussteigen wo immer man wollte. Im Bus bekam man einen Kopfhörer, den man einstöpseln konnte, damit einem jemand was über Edinburgh erzählt. Zu meiner großen Freude hatte der Bus eine Horrible Histories- Tonspur. Horrible Histories war ursprünglich eine Buchreihe für Kinder, die Geschichte unterhaltsam aufbereitet, indem sie nur die grauslichsten Details diskutiert und zwar auf ausgesprochen humorvolle Weise. Mittlerweile gibt es auch eine Horrible Histories TV-Serie am BBC, sowie offensichtlich eine Sightseeing Tonspur. Ich hatte mit der Tonspur jedenfalls einen Heidenspaß. Wir sind erstmal eine komplette Runde im Kreis gefahren, um mal zu sehen was es gibt. Bei der zweiten Runde hab ich die Tonspur dann auf Japanisch gestellt, weil ich wissen wollte, ob ich das verstehe. Alles hab ich zwar nicht verstanden, aber einiges schon, war ganz stolz. 

Ausgestiegen sind wir dann am Grass Market in der Altstadt, wo früher der Galgen gestanden hat. Heute ist das Viertel bekannt für seine ausgezeichneten Restaurants uns Pubs. Es ist außerdem ziemlich bunt und kuschelig.





Vom Grass Market sind wir rauf zur Greyfriars-Kirche, weil sich die Stefanie das Grab vom Greyfriar's Bobby anschauen wollte. Greyfriar's Bobby ist ein kleiner historischer West Highland White Terrier, der so treu war, dass er nach dem Tod seines Herrchens auf dessen Grab wohnen geblieben ist. Die Anwohner hat das so berührt, dass sie den Hund sein Leben lang durchgefüttert haben, bis er dann am selben Friedhof neben seinem Herrchen beerdigt wurde. Interessanter Weise gibt es in Shibuya (Tokyo) eine ganz ähnliche Geschichte. Nämlich die von Hachiko. Der Hund hat am Bahnhof Shinjuku jahrelang auf die Rückkehr seines Herrchens gewartet. Vor dem Bahnhof steht mittlerweile eine Hachiko-Statue. Sowohl Greyfriar's Bobby als auch Hachiko sind verfilmt worden (davon Hachiko 2009 mit Richard Gere...ausgerechnet). 




Nach der Friedhofsbesichtigung sind wir dann wieder in den Bus gestiegen und haben uns zur "Our Dynamic Earth"- Ausstellung begeben. Das ist so eine Art Wissenschaftsausstellung/Planetarium für Kinder. Man konnte die ganze Geschichte des Universums angefangen beim Urknall miterleben, indem man in einer Zeitmaschine einige Millionen Jahre in die Vergangenheit versetzt wurde. War sehr nett und interaktiv und man durfte alles angreifen. Gleichzeitig ist das Ganze vermutlich auch ein bisschen ein Kreuzzug gegen die Religion, weil auch diese dort wissenschaftlich erklärt wird. Hier ist es:



Neben "Our Dynamic Earth" ist gleich das neue schottische Parlament, ein irrsinnig modernes und künstlerisch Hochwertiges Gebäude, das mir zuerst überhaupt nicht gefallen hat. Schottland hat nämlich seit 1995 sein eigenes Parlament und zu diesem Anlass wurde ein Architekturwettbewerb für ein neues Parlament ausgerufen. dementsprechend abgehoben ist das Gebäude jetzt auch. Wir sind dann aber reingegangen und haben an einer gratis-Führung teilgenommen, wo einem der Sinn des Gebäudes sowie das politische System Schottlands ziemlich gut erklärt wurde. Dadurch hab ich das Parlament dann auch mit etwas anderen Augen gesehen. 






Nachdem wir also touristisch so ziemlich alles gesehen hatten was es zu sehen gab (außer das Schloss, aber da warm wir ja schon mal), wollten wir nur noch schnell ein paar Souvenirs kaufen gehen, was wir dann auch gemacht haben. Zum Abschluss haben wir dann noch beim Italiener was gutes gegessen und sind dann wieder in den Bus gestiegen.

So, und ich sollt jetzt wirklich ein bisschen was tun... 

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