Mittwoch, 20. Januar 2010

Nachtrag: Glasgow mit da Madlene und Porcupine Tree

Soo, tut mir leid, dass ich schon so lange nichts mehr geschrieben habe, ich war nicht wirklich inspiriert. Es gibt aber einige Ereignisse von Dezember, die ich gerne noch aufschreiben wollte. In erster Linie, damit ich mich selber noch daran erinnere, wenn ich erstmal alt und grau bin (oder zumindest bis diese Seite hier abstürzt oder was Besseres als das Internet erfunden wird - virtuelle Hörblogs, die ins Ohr implantiert werden oder so, mal sehen...).

Mein letzter größerer Trip war nach Glasgow. Die Madlene ist mich nämlich Mitte Dezember für vier Tage besuchen gekommen und wir hatten einen Heidenspaß (ich zumindest). Zwei von den vier Tagen sind wir nach Glasgow gefahren, um uns das Porcupine Tree Konzert anzuschauen. Auf der Fahrt dorthin wurde auch die unten festgehaltene Konversation überhört. 

Nachdem wir allerdings gute fünf (statt den versprochenen drei) Stunden im Bus verbracht hatten, waren wir fürchterlich spät dran. Wir sind also schnell zum Hostel (das selbe wo ich beim letzten Mal übernachtet habe), was essen und dann gleich zur Venue, dem ABC. Das Treffen mit den schottischen Forumsmitgliedern haben wir dadurch zwar versäumt, aber kann man nix machen. Dafür hatten wir ein paar Stunden mehr Bus-Action. Die Venue war leicht zu finden, weil direkt in der Querstraße hinterm King Tut's (wo das PL-Konzert das letzte Mal war). Die Innenstadt von Glasgow ist ziemlich schachbrettartig aufebaut, das heißt, man findet sich relativ leicht zurecht wenn man erstmal ein paar Anhaltspunkte hat.

Das Konzert war ausverkauft und die Halle relativ groß. Das ABC hat mir grundsätzlich gefallen, weil man ziemlich erhöht stehen konnte, nur das Dach sah ein bisschen provisorisch aus, also besser nicht nach Oben sehen... PT waren wie immer großartig. Sie haben ihr ganzes neues Album 'The Incident' runtergespielt, das eigentlich nur aus einem einzigen Song(zyklus) besteht. Hab mir eigentlich gedacht, dass das eventuell etwas fad werden könnte, aufgrund von fehlenden Überraschungsmomenten, sie haben es aber durchgehend geschafft, die Spannung aufrecht zu erhalten. Vor allem auch deswegen, weil die neuen Songs mit neuen Filmen unterlegt waren, die auf eine Leinwand projiziert wurden. Nach dem Incident gabs zehn Minuten Pause, dann wurden noch ein paar reguläre Lieder gespielt (also die unter 15 Minuten). Von denen hatte ich ziemlich viele noch nie live gehört, weil es sich dabei hauptsächlich um B-Seiten handelte. Sehr gute Setlist also! Da das das letzte Konzert der Tour war, wurden zum Schluss zur Feier des Tages noch recht peinliche Bilder von jedem Bandmitglied auf die Leinwand gebeamt. So kam der Humor auch nicht zu kurz. Alles in allem ein Konzert, wie sich das eigentlich gehört. Über zwei Stunden lang und mit vielen Überraschungen.


Nach dem Konzert haben wir uns noch im King Tut's die Straße runter ein Bier genehmigt und sind dann gleich schlafen gegangen. Obwohl wir schon um 12 wieder zurück ins Hostel gekommen sind, war der ganze Schlaafsaal bereits im Bett. Wir mussten also versuchen, möglichst wenig Lärm zu machen. Das war aber eh überflüssig, weil eine im Bett neben mir SO laut geschnarcht hat, dass ich sie sogar durch die von der Madlene mitgebrachten Ohropax gehört habe! Der Schlaf war also nicht so gesegnet, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hätte.


Am nächsten Tag sind wir dann recht spät (so um 10) aufgestanden und sofort raus aus dem Hostel auf die Suche nach einem Café (weil beim Hostel-Frühstück keiner dabei ist und das ist inakzeptabel).  Auf der Buchanan Street standen bei Minusgraden diese drei Herren auf der Straße herum:



Während wir vor der verglasten Fensterwand im nächsten Starbucks saßen und unsere weitere Rote planten, fiel uns draußen so eine Art Parade auf. Komisch verkleidete Männer liefen mit Flaggen und Umtata die Straße runter. Nachdem uns das natürlich interessiert hat, sind wir raus um zu sehen was da los ist. Die Madlene hat dann einen Passanten gefragt, um was für ein Spektakel es sich handelt und er hat gemeint, dass das eine Orange Parade ist.


Aha, nix wie weg. 


(Orange Marches werden vom protestantischen Orange Order veranstaltet, der für die Wiedervereinigung von England, Schottland und Irland ist. Das ist einigen Nicht-Engländern, vor allem den katholischen, wie man sich denken kann, gar nicht recht und so führen Orange Parades immer wieder zu kleineren und größeren Handgreiflichkeiten, vor allem in Nordirland, was eh jedem bekannt sein dürfte. In Glasgow sind sie wahrscheinlich sicherer, aber nachdem dort schon rein Fußball-mäßig eine Rivalität zwischen Katholiken und Protestanten vorherrscht, wollte ich trotzdem lieber einen Bogen um den Umzug machen; abgesehen davon, dass mir paramilitärischer Blödsinn sowieso aufn Sack geht.)


Der Umweg führte uns dann wieder zurück in die Sauchiehall Street, wo am Vortag auch das Konzert abgehalten wurde. Direkt darüber befindet sich die Glasgow School of Art, die von einem Herrn Mackintosh, Glasgows berühmtestem Architekten entwurfen wurde. Davon hab ich leider keine Fotos, weil ich das Gebäude enttäuschend gefunden hab. Nicht das, was ich mir unter hübscher Architektur vorstelle, man kanns aber googeln. Der Mackintosh ist aber sowas wie Glasgows Hundertwasser und scheinbar irrsinnig berühmt. 



Das ist der Blick von der Schule auf Glasgows Innenstadt:


Das ABC:



Und das bin ich vorm King Tut's:



Die Schule konnte man innen auch nicht besichtigen, also haben wir uns direkt auf den Weg ins East End begeben, wo sich Glasgows Kathedrale befindet. Es hat zwar nicht geregnet, war aber rrrrichtig düster und nebelig. Das passte wunderbar zur dunklen, dunklen, gotischen Kathedrale. Man kam sich vor wie in einem Schauerroman. In der Kirche sieht es auch recht beeindruckend aus, man konnte auch in den Keller runtersteigen und so.




Zur Schauerroman-Atmosphäre hat auch die Nekropolis beigetragen. Das ist ein Friedhof von enormem Ausmaß, der sich direkt hinter der Kathedrale befindet. Nicht nur ist diese Totenstadt riesig, sie befindet sich auch noch auf einem Hügel, der unheilvoll, aber auch irgendwie romantisch hinter die Kathedrale in die Höhe ragt. Beeindruckt von dem Szenario wollten wir da unbedingt rauf. Wie viele andere schottische Friedhöfe, wird die Nekropolis aber auch hauptsächlich als Park genutzt. Man stößt immer wieder auf eng umschlungene Päärchen und Leute, die mal eben schnell mit ihrem Hund spazieren gehen wollten. Das finde ich einen sehr nette und unkomplizierte Herangehensweise an den Totenkult. Die Gräber und Monumente selber sind fast alle viktorianisch, Mittel- bis Oberschicht und daher irrsinnig bombastisch. Von der Spitze des Hügels hatte man einen guten Blick auf die bedrohliche Silhouette der Kathedrale im Nebel. Dort oben waren keine Spaziergänger mehr. Wenn man hier oben von Wegelagerern überfallen wird, hört einen keiner schreien.












Gut, aber es war saukalt und wir hatten Hunger, also haben wir uns in die Merchant City begeben, um in einem stylischen japanischen Restaurant eine riesige Schüssel Nudeln und ein bisschen Sushi zu essen.




Dann wollten wir eigentlich ein bisschen shoppen gehen, aber das macht überhaupt keinen Spaß eine Woche vor Weihnachten. Man kann sich nichts in Ruhe anschauen vor lauter Leuten und muss die ganze Zeit aufpassen, dass man auch ja niemanden über den Haufen rennt. Also kein Shopping. Stattdessen zurück ins Hostel Gepäck holen und dann noch auf ein gemütliches Bier in die Hostelbar. Leider wurde das gemütliche Bier von ein paar älteren Herren aus Sterling unterbrochen, die mit uns umgesprungen sind wie mit einem Haufen Idioten, die kein Wort Englisch können, was sie aber nicht davon abgehalten hat, ständig grinsend auf uns einzureden. Als sie uns dann noch ein Bier zahlen wollten, haben wir dann angenommen, dass sie uns trotz ihrer offensichtlichen Ausländerfeindlichkeit aufreißen wollten und sind wieder raus in die Kälte geflüchtet (übrigens der dritte derartige Vorfall in drei Tagen!). Interessanterweise hat auch Glasgow am George's Square einen kleinen Christkindlmarkt mit Eislaufplatz und blinkenden Karrusellen. Dort haben wir dann noch einen Glüh getrunken bevor wir uns wieder in einen Bus nach Aberdeen gesetzt haben. Die Fahrt ging recht schnell von statten, abgesehen davon, dass das Klo kaputt war und wir Höllenqualen litten, weil wir voll mit Bier und Glühwein waren. Aber das ist eine andere Geschichte...

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