Sonntag, 20. September 2009

Ankunftstag



Von einem Ankunftstag kann man eigentlich nicht so wirklich sprechen. Eher von einem mit-knurrendem-Magen-in-der-Gegend-herumrenn-und-machnmal-sitz-Tag. Das war es nämlich, was ich hauptsächlich gemacht habe. Nachdem es jedoch auch das ist, was ich auch grundsätzlich hauptsätzlich mache, unterscheidet sich der gestrige Tag immerhin noch dadurch von anderen, dass ich dabei immer 30 Kilo Zeugs getragen habe und manchmal in einem Flugzeug war.

Losgegangen ist es ersmal in Wien, das war eigentlich ganz gemütlich. Hab mich gleich mit meinen drei Kolleginnen von der Anglistik getroffen und ohne größere Zwischenfälle haben wir ganz normal eingecheckt und sind in einen Flieger nach Heathrow gestiegen. Nachdem der Flieger allerdings von den British Airways war und ich vor zwei Jahren immer Berichte darüber gelesen habe, dass die so gerne Gepäck irgendwo in der Weltgeschichte herumfliegen, (was ja eigentlich ihr Job wäre), nur eben ohne die dazugehörigen Passagiere (oder umgekehrt), war mir diesbezüglich ein bisschen mulmuig zumute. 

Heathrow ist mein Hassflughafen. Ich bin dort zwar noch nie gelanded, aber oft genug auf der Suche nach einem Bus herumgewandert, um zu wissen, dass es sich dabei um einen Vorort der Hölle handelt, wo man sich vor seinem Abstieg in die Unterwelt noch mit passenden Accessoires von Harrods eindecken kann. Zusätzlich mussten wir noch zu Terminal 5. Das ist ja das Neueste und dort spukt es angeblich bzw. funktionierte dort bis vor kurzem noch gar nichts. Enttäuschenderweise wurden wir aber gleich in den passenden Bus zu jenem Terminal verladen und zwar von einem laut singenden und mit-den-Armen-rudernden Engländer. Dort angekommen, mussten wir eine militärisch anmutende Sicherheitskontrolle durchlaufen, bei der alle ganz furchtbar laut geschrien haben (nicht vor Schmerz oder Wut, sondern weil es scheinbar ihr Job war). Man musste sogar seine Schuhe ausziehen, das war mir peinlich, weil meine noch teilweise mit Novarock-Gatsch bedeckt waren und fürchterlich in alle Rictungen gestaubt haben. Dann sind wir noch ein bisschen zeillos mit vollem Marschgepäck durch die Gegend gestiefelt und haben schließlich japanisch gegessen. Das hab ich auch echt gebraucht, weil die BA serviert auf einem zwei-Stunden-Flug nur Getränke und einen jämmerlich mickrigen Keks mit Rosinen drinnen!

Nach drei Stunden Wartezeit saßen wir dann auch schon im nächsten Flieger nach Aberdeen. Lustigerweise waren in meiner Reihe noch eine Frau, die an der Uni dort arbeitet sowie ein deutscher Erasmus-Student, also konnten wir uns ein bissl austauschen. Statt dem Keks wählte ich diesmal Knabbergebäck, aber da waren auch Rosinen drinnen. Der Flieger ist eine halbe Stunde zu früh in Aberdeen angekommen, genau wie der aus Wien in Heathrow. Es ist alles so glatt gelaufen, man könnte sich fast aufregen, dass es nichts gibt, worüber man sich aufregen kann. Zusätzlich herrschte in Aberdeen auch noch strahlender Sonnenschein, dabei hatte ich fest damit gerechnet, die Sonne bis nächsten Frühling nie mehr zu sehen. Die schottische Pampa, die flacher war, als ich es mir vorgestellt hatte, lag funkelt und grün vor uns, nur unterbrochen vom Meer, bei dessen Anblick mein Herz natürlich sofort höher geschlagen hat - wir haben ja keins, gell. Der Himmel war strahlend blau, bis auf ein paar Schäfchenwolken, deren reale Ebenbilder auf den Wiesen grasten. Beim Aussteigen hab ich dann auch bemerkt, dass es auch entsprechend warm war. Eh ungefähr so wie in Wien. Fürs Gepäck gab es nur ein Rollband, um das das ganze, mit Studenten gefüllte Flugzeug herumgestanden ist (ist metaphorisch gemeint). Rauchen konnte ich auch endlich eine und endlich voll und ganz alles fotografierend in die Touristenrolle schlüpfen. Am Flughafen war wie angekündigt, die aberdeener Studentenvertretung und hat uns mit Shuttlebussen in unser Heim gebracht - Hillhead.

Hillhead ist ein riesengroßer Komplex aus Studentenheimen. Es gibt viele verschiedene Häuser, die alle mehr oder weniger unterschiedlich ausgestattet sind und klingende Namen tragen. Ich bin im Esslemont-House. Das ist das billigste, älteste und grindigste. Den Schlüssel konnte man ohne Probleme abholen, natürlich war der erste Schritt im Zimmer aber natürlich Internet einrichten. Es versteht sich von selbst, dass das nicht auf Anhieb funktioniert hat, das tut es nie, so ist es Brauch und das sollte endlich mal von jemandem wissenschaftlich bestätigt werden. In meiner Internet-Panik bin ich dann jedenfalls zu meiner Kollegin ins Haus gerannt, weil sie auch einen Mac hat. Gemeinsam haben wir uns dann an die Sache gesetzt, um es zusammen nicht zu schaffen. Stattdessen haben wir über das Internet-Problem alle möglichen netten Menschen kennen gelernt, die es auch nicht geschafft haben und sind dann zu viert was essen gegangen. 

Die ganze Heimanlage ähnelt einem Ferienlager und es riecht genau so wie in einer schwedischen Jugendherberge, in der ich mal übernachtet habe. Bis jetzt laufen alle komplett aufgeregt und in Feierlaune durch die Gegend. Das liegt daran, dass hier scheinbar bis jetzt nur Erstsemestrige und Auslandsstudenten eingezogen sind, weil Fresher's Week ist, die die Fortgeschrittenen nicht mehr besuchen müssen. Das heißt man ist momentan konfrontiert mit einer Horde englischer und schottischer Teenager, die das erste Mal von zu Hause weg sind und gerade alt genug geworden sind, um Alkhohol zu trinken, was sie dann auch sehr exzessiv tun. In meiner 6er WG hab ich zwei davon. Die sind aber eh ganz nett, obwohl ich mir schon alt vorkomme, irgendwie komisch. Der Rest sind auch Erasmus-Studenten. Was mich schockiert hat ist, dass die WGs nach Geschlechtern getrennt sind. Ich hab nix gegen Mädchen, ich hab aber eben auch nix gegen ein paar Männer zur Auflockerung. Naja, kann man nix machen. Nachdem wir zu sechst ein Bad benutzen, ist das mit der Geschlechtertrennung vielleicht eh keine so schlechte Idee.

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