Donnerstag, 24. September 2009

Nachtleben: eine stadtanthropologische Studie

Nachdem ja gestern der Test überstanden war, wollten wir zur Feier des Tages natürlich fortgehen. Vorgeglüht wurde zu dritt im Heim und dann sind wir zu zweit in den Bus eingestiegen, der uns von Hillhead in die Innenstadt bringen sollte. Man bekommt am Anfang eine Karte, wo alle von der Uni empfohlenen Lokale und Clubs eingezeichnet sind und hat außerdem die Möglichkeit, ein rosa Band zu erstehen, mit dem man überall freien Eintritt bekommt. Mit so einem rosa Band rennt jetzt die Mehrheit der Freshers durch die Gegend. Zusätzlich haben die meisten aber noch ein bis fünf andere Armbänder in schreienden Neonfarben, die wahrscheinlich freien Eintritt zu ausgewählten Locations verschaffen sollen. Ich habe darauf verzichtet, sowas zu kaufen, weil ich schon länger studiere und kein so massives Partytier mehr bin und in Clubs gehe ich schon gar nicht. 

Jedenfalls sind mir im Bus zwei Dinge aufgefallen: wir waren die einzigen Ausländer und die meisten Leute waren sicher noch keine 20 Jahre alt. Diese Ahnung hat sich dann fortgesetzt, als wir die erste Bar betreten haben: nur Teenager, die Hits aus den 90ern gegrölt und auf den Tischen getanzt haben. Ich bin mir ein bisschen vorgekommen wie in einer Disco vom Schulschikurs, schön überwacht von der Studienvertretung. Außerdem hatten die meisten Leute, vor allem die Mädchen, so gut wie nichts an. Allein beim Anblick ist mir schon kalt geworden! Die werden sich alle eine Erkältung oder Blasenentzündung holen! Es war fürchterlich, ich bin mir so alt und fehl am Platz vorgekommen, dass es fast schon wieder lustig war. In der Tat war ich zum Glück schon ein bisschen beschwipst und nahm die ganze Situation mit mehr Humor als wahrscheinlich angebracht gewesen wäre. Es ist wirklich komisch, denn an der Uni Wien sind auch viele Leute erst 18, haben aber trotzdem keinen Lebensstil, der sich so stark von dem der Älteren abhebt. Zwischen denen und mir müssten eigentlich höchstens 4 Jahre Unterschied sein, das ist ja dann auch nicht so arg und fällt meistens gar nicht auf. Ich hab viele Freunde, die mindestens vier Jahre jünger oder älter sind als ich und da kann ich keinen großen Unterschied feststellen. 

Heute habe ich aber dann von einer Mitbewohnerin erfahren, dass in Schottland viele Leute schon mit 16 mit der Schule fertig und für die Uni qualifiziert sind. Das würde erklären, warum manche Leute SO jung waren und sich hauptsächlich mit Grunzlauten und Phrasen wie "oh my gaaawd, it was like...like....you know....just like friggin' awesome" verständigt haben (was man mit 18 ja normalerweise nicht mehr macht). Ihre Anwesenheit war es ja nicht, was mich aus dem Konzept gebracht hat. Eher, dass man mit denen dann in einen Topf geworfen wird, überall seinen Ausweis zeigen muss und von jedem den Kopf getätschelt bekommt. Insofern ist es eh gut, dass ich kein rosa Band gekauft habe.

Jedenfalls sind wir dann schleunigst wieder aus der Bar raus und haben versucht, was Vernünftigeres zu finden. Zum Sitzen gekommen sind wir dann in einer Bar, in der alle entweder als Piraten verkleidet waren oder Metal-Shirts getragen haben, das fand ich schon ziemlich sympatisch. Außerdem waren die Leute alle in ihren 20ern, wenn nicht sogar darüber. Drinnen waren wir aber nur 20 Minuten, weil um Mitternacht alle Pubs zusperren. Wenn man länger wegbleiben will, muss man in einen Club gehen, von denen die meisten leider Nachtschicht-mäßigen Techno spielen (was mir nicht so taugt) und von 17-jährigen Freshers bevölkert werden. Die haben dann bis 2 offen, aber so lange ist das dann auch wieder nicht.

Fazit: ich warte jetzt bis nach der Fresher's week mit Fortgehn oder such mir Lokale, die nicht auf der Uni-Karte verzeichnet sind. Das war gestern nämlich seeeeehr seltsam. Enorm strange es war.

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