Wie der Titel schon verrät, waren wir gestern ganz folkloristisch unterwegs. In einem großen Zelt auf der Wiese hinter dem King's College (das ist das Kirchen-artige Gebäude, das unten wo auf einem Foto drauf ist), war nämlich Scottish Culture Day. Dort konnte man alles ausprobieren, was so stereotypisch mit schottischer Kultur assoziiert wird. Drinnen wurde man schon von einem nachgebildeten schottischen Hochlandrind begrüßt (ich will so eines haben und mitnehmen, weil ich die Viecher voll lieb und flauschig finde) und es hingen überall kleine schottische Flaggen. Das Tourismusbüro Aberdeen war vertreten und man konnte sich gratis Stadtpläne und Souvenirproben mitnehmen. Einen Stand von einem Kilt-maker gab es auch. Hab schon mit dem Gedanken gespielt, allen Männern die ich kenne einen mitzubringen, weil die Kittel doch in Wirklichkeit sexier ausschaun als erwartet, leider kostet so ein professionelles Set aber zwischen 500 und 1000 Pfund. Also das dürfte mehr sowas sein, wie ein Hochzeitskleid, was man sich nur im äußersten Notfall kauft und dann auch nur ein Mal. Bis auf die Werbenden waren aber eigentlich nur Ausländer anwesend, hauptsächlich Deutsche, weil die gibt es einfach in rauhen Mengen überall auf der ganzen Welt ;) Ich schätze, das ist ähnlich wie mit kärntner Chören/Anzügen/Kaasnudeln, daran beteiligt sich unsere heimische Jugend auch nicht wirklich (außer natürlich an den Kaasnudeln, yumyumyum).
Studentisch waren die Malt Whiskey Society, die Gaelic Society und natürlich die bekiltete und ballettbeschuhte Scottish Dance Society vertreten. Man konnte Whiskey testen, der überraschend gut war und auch Irn Bru. Das ist Schottlands nationaler Soft/Energydrink, hat eine ungesunde orange Farbe und schmeckt anders als alles, was ich jemals hetrunken habe, nur nicht unbedingt auf eine gute Art. Irn Bru braucht man angeblich in Glasgow um Neds abzuwehren. Neds sind sowas wie schottische Chavs, vergl. Jugendbanden in Trainingsanzügen, die alles und jeden anpöbeln, manchmal auch Laternenpfähle, weil sies nicht checken. Wenn man von einer solchen Gruppe überrumpelt wird, sollte man daher immer eine Flasche Irn Bru dabei haben, auf die diese Leute ganz wild sind: Man wirft die Plastikflasche in eine Richtung und rennt in die andere Richtung um sein Leben. Zusätzlich zu den diversen Gesöffen gabs auch noch gratis schottisches Essen. Das Haggis habe ich leider, leider, leider verpasst, ichbinuntröstlich und habe deshalb mit einem Becher schottischer Gemüsesuppe vorlieb genommen, die genau so geschmeckt hat, wie Gemüsesuppe überall sonst auf der Welt, nur dass überraschend viele Schafsaugen drinnen waren (hihi, kleiner Scherz).
Neben den ganzen Gratis-Zeug-Standln gab es einen Bereich für Live-Darbietungen. Man konnte einer Ceilidh-Band (bestehend aus Gitarre, Schlagzeut und Violine) lauschen und traditionelle schottische Tänze beobachten. Gälische Lieder wurden angeblich auch gesungen, aber die hab ich verpasst, genau wie das Haggis.
Am Abend sind wir dann zu einem/r Ceilidh (sprich: /'keɪli/) gegangen, das ist so eine schottische Tanzveranstaltung keltischen Ursprungs. Ich hatte mir so eine rustikale Veranstaltung erwartet, irgendwo auf einer Wiese oder in einem Pub, wo dazu noch literweise Whiskey konsumiert wird und bärtige Mannsbilder mit zarten rothaarigen Mägdelein durch die Gegend hüpfen. Veranstaltet wurde das Ganze dann aber im Endeffekt von der christlischen Jugendgruppe der Uni und zwar in ihrer Kirche. (Als kleine witzige Fußnote möchte ich noch anmerken, dass die Kirche mit Teppichboden ausgelegt war) Es gab viel gratis Anti-Alk und Knabbereien, sowie Gebetsbücher und Anstecknadeln, aber definitiv keinen Whiskey und schon gar keine bärtigen Heiden. Schade, aber man muss das Beste aus seiner Situation machen. Außerdem war das nichts, wo man sich hinsetzen und zuschaun konnte, sondern man musste teilnehmen. Ich tanze zwar nicht, niemals, aber diesmal hab ichs halt doch gemacht, weil die Tänze so chaotisch wie eine Mischung aus vergewaltigtem Walzer und Flogging Molly- Moshpit ausgesehen haben. Im Endeffekt war es aber um einiges komplizierter. Die Violinistin hat zwar alles erklärt, aber viel zu schnell, deswegen haben sich die meisten Ausländer mal wieder zum Trottel gemacht, nicht nur ich! Es waren nämlich wieder kaum Schotten anwesend. Angeführt wurde die Gruppe von einer Amerikanerin und einem Spanier glaub ich.
Den Schauplatz des Geschehens hab ich dann vorzeitig verlassen, um mir zum krönenden Abschluss des Klischee-Days noch "Braveheart" im Kino anzuschaun, weils für Studenten an dem Tag gratis war. Ich hab den Film irgendwann auf Deutsch gesehen und fand ihn nicht so prickelnd, das war auf Englisch auch nicht anders (Mel Gibson ist eine Fehlbesetzung). Allerdings haben alle in dem Film mit schottischem Akzent geredet, das fand ich dann doch sehr nett. Außerdem hat es schon was, sagen zu können, dass man sich in Schottland Braveheart angeschaut hat. Die Zuschauer haben am Schluss auch alle ironisch applaudiert. (In dem Film gibt es übrigens eine Ceilidh-Szene, in der bärtige Mannsbilder auf einer Wiese mit zarten, rothaarigen Mägdelein durch die Gegend hüpfen -HA!)
Nachdem an dem Tag kein Bus fuhr, haben wir uns mit zwei Mädels, die auch planlos in der Gegend herumgestanden sind, ein Taxi zurück nach Hillhead geteilt und kamen dabei in den Genuss des witzigsten Taxifahrers aller Zeiten. Er hat in einem breiten schottischen Dialekt dahergeredet, Witze gerissen und sich über die ganzen Fresher lustig gemacht, die halb nackt und mit Stöckelschuhen durch die Stadt schlurfen. Er steht mehr auf "konservativere females", hat er gesagt. Gut zu wissen...
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