Donnerstag, 15. Oktober 2009

Gemeinschaftsbad: Anekdoten

Anders als man sich vom Titel her erhoffen könnte, wird das hier leider kein erotischer Beitrag, sondern eher ein bisschen ein grauslicher. Also vielleicht nicht weiterlesen, wenn man solche Sachen, die halt manchmal in Gemeinschaftsbädern vorzufinden sind, nicht genauer beschrieben haben möchte, denn genau das werde ich jetzt sehr detailiert tun. Eigentlich müsste ich ja mein morgiges Referat vorbereiten und hab deswegen überhaupt keine Zeit zum Schreiben. Genau das ist auch der Grund wieso ich es trotzdem mache und zwar zu so einem eigenartigen Thema. 

Also, ich mag das Gemeinschaftsbad nicht. Jeden Tag muss ich schaun, dass ich alle meine Sachen (Kleidung, Haarbürste, etc.) beisammen habe und damit ins Bad pilgern. Dort finde ich den Boden meistens nass und mit Haaren bedeckt vor und habe deswegen Hemmungen, baarfuß dort herumzustehen. Schon vor Wochen wollte ich mir wasserfeste Flipflops kaufen, um damit in die Dusche zu gehen. Später hat sich aber herausgestellt, dass das sowieso nichts bringen würde, der Abfluss tendiert nämlich dazu, sehr schnell zu verstopfen und man steht sowieso 20 cm tief im Wasser, wenn man die Dusche erst mal aufgedreht hat. Alle zwei Wochen wird das Bad ordentlich von professionellem Personal geputzt (zwischendurch nur sporadisch von den unprofessionellen Bewohnerinnen - uns), dann ist der Abfluss mal zwei Tage unverstopft, was ich immer sehr genieße. An das alles könnte man sich ja gewöhnen, man war schließlich im Haus Döbling, wenn es nicht immer zu seltsamen Zwischenfällen kommen würde.

Die letzte Woche war besonders gruselig, zumindest was das Bad betrifft. Ich muss zweimal in der Woche relativ früh aufstehen und und habe dann immer einen ziemlichen Stress, schnell genug ins Bad zu kommen. In der Früh bin ich immer orientierungslos, grantig und habe einen empfindlichen Magen, aber das wisst ihr ja wahrscheinlich. Montag letzter Woche ging ich also in die Dusche und an der Wand lauerte ein schwarzes, haariges Monstrum. Es war wahrlich gigantisch, sah fast aus wie ein böses, böses Krümelmonster, nur ohne den blöden Grinser, dafür aber umso feuchter. Fast als wäre die ganze Duschwand pelzig. Verzeihung, wenn meine Fantasie mit mir durchgeht, auf Deutsch übersetzt heißt das, dass ein gigaaaantisches Büschel langer, schwarzer Haare an der Duschwand klebte. Wirklich ein monströses! Ich bin ja normal nicht soo pingelig was das betrifft, aber in dem Fall war ich schon erstaunt und entsetzt zugleich, wie man das schaffen kann. Man ist schließlich jung, weiblich und agil und leidet nicht unter Haarausfall. Ich stelle mir vor, dass so Winnetous oder Ozzy Osbournes Duschen ausschaun müssen, weil die sind ja schon ein bisschen älter und man wundert sich insgeheim über das Geheimnis ihrer immer noch beeindruckend vollen, wenn auch ergrauenden Haarpracht. Also, mein Magen in der Früh ist, wie bereits erwähnt, empfindlich und mir wurde enorm schlecht. Einerseits wollte ich den Pelz nicht von der Wand entfernen, weil er sonst in der überfluteten Dusche herumgeschwommen und mit mir in Berührung gekommen wäre, andererseits wollte ich beim Duschen das Büschel weder berühren noch sehen müssen. Das führte zu sehr kunstvoller Duschakrobatik meinerseits, weil die Dusche relativ klein ist und ich relativ groß. Auf das möchte ich jetzt aber nicht so genau eingehen. Nach beendeter Körperhygiene hab ich die Haare dann heldenhaft entfernt. Eigentlich gäbe es nur zwei Personen in meinem Hausalt, die in Frage kommen würden, schwarze Haare zu hinterlassen.Ich frage mich nur, wieso man das nicht wegputzt. Mir wäre es peinlich, der ganzen WG auf diese Art mitzuteilen, dass ich an Haarausfall leide. Naja, seither ist es eh nicht mehr vorgekommen.

Aber die letzte Woche, war wie gesagt ein antihygienisches Festival, deswegen gab es noch einen derartigen Vorfall. Am Mittwoch musste ich nicht so früh aufstehen, aber mir wurde trotzdem schon wieder schlecht als ich die Dusche betrat. Das Bad war zwar in bester Ordnung, nicht nass, weil die letzte Duscherin schon einige Zeit her war aber die DUSCHE! Man kann sich das überhaupt nicht vortstellen. Es sah ein bisschen aus, als hätte dort drinnen jemand in der letzten Nacht ein Kind zur Welt gebracht. Überall klebte leicht körniger, weinroter Gatsch: am Boden, an den Wänden, überall. Als hätte jemand zu viel Rotkraut gegessen und dann beschlossen, es ausgerechnet in der Dusche wieder loszuwerden. Ich beschloss aber dann, mir einzureden, dass es sich dabei um Haarfärbemittel oder etwas ähnlich normales handelte, wahrscheinlich zum Selbstschutz. Konnte also nicht duschen gehen, war aber auch nicht bereit, die Sauerei diesmal selbst wegzuputzen.Vor allem weil ich auch irgendwie neugierig war, wer sie verursacht haben könnte. Im Laufe des Tages hab ich dann die meisten meiner Mitbewohnerinnen mit dem Scheusal konfrontiert, aber die waren alle ähnlich entsetzt wie ich, haben gemeint "Nein, also wir putzen das sicher nicht weg, das ist ja ekelhaft, so eine Schweinerei, pfui Teufel" usw. Wir warteten also alle gespannt, wann sich die Übeltäterin outen würde. Die musste schließlich auch mal ins Bad und wenn sie das tun wollte, musste sie ihrer Hinterlassenschaft ins Auge sehen. Aber der Abend kam, es wurde dunkel und es fehlten immer noch zwei Mitbewohnerinnen. Es war also anzunehmen, dass an diesem Tag niemand mehr mit seiner Hinterlassenschaft konfrontiert werden würde. Noch einen Tag mit Duschen warten? Es sah so aus. Allerdings wollte eine Mitbewohnerin ganz dringend duschen, weil sie sich zum Fortgehn herrichten wollte und schritt daher plötzlich heroisch, mit Putzmittel und Fetzen in der Hand richtung Badezimmer. Ich und eine weitere Mitbewohnerin rannten ehrerbietig hinter ihr her und versuchten, ihr so gut wie möglich zu assistieren. Nach 10 Minuten voller Fluchen und Schimpfen und Philosophieren über den Ursprung des Gatsches, war die Dusche dann wieder sauber. Hurra! Dadurch blieb der Krimi nur leider ungeklärt. Auffällig ist aber, dass in meiner Wohnung noch niemand mit weinroten Haaren aufgetaucht ist, aber darüber denke ich lieber nicht mehr genauer nach. 

So, ich hab ja gesagt es ist grauslich. Aber man glaubt mir ja nicht. Das ist jedoch nicht der Normalzustand und ich hab mich auch um einiges weniger darüber aufgeregt als es hier den Anschein machen würde. Mir gehts gut, das Bad ist die meiste Zeit eh OK, ich beschwere mich nicht, verlange nicht, in ein Reihenhaus auf der King Street übersiedelt zu werden und bin alles andere als totunglücklich. Also keine Sorge, alles in bester Ordnung. Hab mir nur gedacht, es ist witzig, solche Sachen aufzuschreiben, weil sonst ja nie was nennenswert übersinnliches passiert auf der Welt. Cheerio.

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