Entschuldigung, dass dieser Eintrag so lange gedauert hat. Ich hatte ihn am Montag halb fertig, aber dann ist mir der Browser abgestürzt und ich hatte keine Lust, das Ganze gleich nochmal zu schreiben. Also hier jetzt noch einmal, obwohl der Inhalt wahrscheinlich anders ausfallen wird als am Montag.
Steffi und ich haben beschlossen, übers Wochenende ein bisschen wegzufahren, um den ärgeren Norden Schottlands kennen zu lernen. Die größte (und vermutlich einzige) Stadt, die diesen Namen verdient, ist Inverness. Von dort hat man angeblich super Zugang zu den Highlands und auch zum Loch Ness. Überhaupt heißt in der Gegend alles Ness: die Stadt, der See und auch der Fluss, der durch die Stadt durchrinnt.
Hingekommen sind wir mit einem Bus, der überraschend billig war und ein bissl unter vier Stunden gebraucht hat. Gleich nach der Uni sind wir hin, ich war allerdings voll fertig, weil ich nur vier Stunden geschlafen hatte (die Uni war um 9 in der Früh). Da einzige Problem war, dass der Bus nicht über eine Toilette verfügte. Das hat mich schon erstaunt, weil es ist ja nicht unbedingt selbstverständlich, dass alle Leute vier Stunden Fahrt ohne Pinkelpause durchhalten. Hab sogar den Busfahrer gefragt, wie er das denn macht, aber er hat nur mit den Schultern gezuckt und gemeint er trinkt halt nicht so viel. Naja, der menschliche Körper ist scheinbar zu vielem fähig, so auch der Meine und die Fahrt ging ohne größere Qualen vonstatten.
Während der Fahrt ist mir zum ersten Mal wirklich aufgefallen, wie ländlich der Norden Schottland eigentlich ist. Wir sind unterwegs durch keine Stadt durchgefahren, nur durch ein paar verstreute Dörfer, die allerdings sehr herzig waren. Außerdem übernahmen die Schafe vs. den Kühen endlich die Überhand auf den Wiesen. Nur Highland-Rinder hab ich noch keine gesehen, außer auf Postkarten. Langsam frag ich mich, ob es die überhaupt wirklich gibt oder ob sie nur eine Legende snd, so wie das Haggis. (Man erzählt sich in den Highlands, hauptsächlich um Touristen zu verarschen, dass es dort wildlebendes Haggis gibt, auf das jährlich die Jagdsaison eröffnet wird. Das wilde Haggis ist braun, haarig und schaut ein bisschen aus wie eine Wurst, das eine Ende ist nicht vom anderen zu unterscheiden. Allerdings wird sein Fleisch von vielen Jägern geschätzt. Um Jagd auf das wildlebende Haggis machen zu können, kauft man sich am besten eine Pfeife, die den Paarungsruf des Weibchens nachahmt. Eine solche kann man in manchen Souvenirshops kaufen.)
Eigentlich wollten wir ja chouchsurfen, aber da hatten alle entweder keine Zeit oder nicht geantwortet, also mussten wir uns in Inverness zuerst eine Unterkunft suchen. Das Stadtzentrum ist wirklich sehr überschaubar, also hatten wir recht bald eine Jugendherberge namens "Highlander Hostel" gefunden, die noch Zimmer frei hatte. Die haben uns zu zweit recht billig in einem Dreibettzimmer untergebracht, das war schon toll, weil wir so tagsüber unseren Krempel nicht immer wegsperren mussten. Nachdem wir schon am späten Nachmittag angekommen sind, haben wir uns noch ein bisschen umgeschaut, nach Sachen die man in Inverness so machen kann. Vor allem die Promenade am Fluss Ness ist sehr schön, auch bei Dunkelheit. Der Fluss Ness ist aber eigentlich kein Fluss, weil er nur ca. einen halben Meter tief ist, dafür aber realtiv breit. Außerdem gibts in den Highlands überall zweisprachige Ortstafeln. Auch die Straßennamen in Inverness waren teilweise in Englisch und Gälisch, genau wie einige Infoprospekte. Nachdem ich mal ein Semester Irish Gaelic belegt habe, hat mich das natürlich interssiert, weil ich wissen wollte, ob schottisches Gälisch wirklich so anders ist. Zwar hab ichs niemanden sprechen gehört, aber vom Lesen her klingts eigentlich ziemlich gleich. Agus heißt agus und sláinte heißt sláinte (und damit ist mein Wortschatz auch schon wieder erschöpft).
Zum Abendessen sind wir dann zu einem Inder gegangen, weil von denen gibts in Großbritannien an jeder Ecke mindestens sieben. Davon bin ich übrigens besonders begeistert, weil ich liebe indisches Essen. Es ist der Erzählung nach auch angeblich das einzige, was man als Tourist im UK getrost essen kann, weil es nicht unterwürzt ist und grauslich schmeckt, wie das englische Essen (kann ich nicht bestätigen, aber Inder ist trotzdem leiwand). Beim Inder war es jedenfalls enorm eigenartig. Die Preise waren eigentlich normal (teuer, eben so wie halt überall), aber die Kellner haben sich aufgeführt, als wäre man der Kaiser von Wasweißichington. Als wir uns hingesetzt haben, hat uns sofort ein Kellner eine Serviette auf den Schoß gelegt, uns die Jacke abgenommen und man durfte sich nicht selbst nachschenken: sobald das Glas leer war, kam ein weiterer Kellner angewuselt, der einem nachgeschenkt hat. Alle 5 Minuten ist außerdem einer dahergekommen und zu fragen, ob eh alles passt. Ich hätt denen bald eine gepickt. Ich will in Ruhe essen, oida! Allerdings waren die zu dem Zeitpunkt auch hoffnungslos überbesetzt, es waren sicher mehr Kellner anwesend als Gäste. Die müssen sich also darum geprügelt haben, was zu tun zu kriegen. Ich war jedenfalls erleichtert, dass ich mir am Klo den Hintern allein putzen durfte (pardon). Aber das Essen war sehr gut indeed! Anschließend sind wir dann noch in ein Pub neben unserer Herberge gegangen, wo an diesem Abend so ein Typ traditionelle schottische Lieder gesungen hat. Im Endeffekt war es ein Typ mit Fußballleiberl und einer Gitarre und die schottischen Volkslieder waren zur Hälfte aus Irland (oder haben die einfach die gleichen?). Lieder von U2 und den Pogues hat er vorsichtshalber scheinbar auch gleich dazugezählt. Es war aber trotzdem sehr nett.
In der Nacht hab ich dann wieder kaum geschlafen, weil in unserer Herberge scheinbar Millionen englischer Jugendlicher abgestiegen sind, die höchstwahrscheinlich noch nicht ganz volljährig waren, wie man an ihren schrillen Stimmchen erkennen konnte. Die Wände waren auch enorm dünn. Also langsam bestätigt sich für mich das Klischee der Engländer als fürchterliche Touristen.
Am nächsten Tag haben wir uns dann kurz ein paar Infos von der Tourist Information geholt und sind daraufhin in einem Bus nach Drumnadrochit gestiegen. Das ist ein winziges Dorf neben dem Loch Ness. Der Loch ist übrigens gigantisch! Wirklich enorm und auch ziemlich tief, wie ich gehört hab. Rundherum sind Hügel, ca so wie bei einem kärntner See. Also so imposant waren die Highlands rund um den Loch Ness jetzt nicht, wenn man ein österreichisches Schluchtenkraxler ist. In Drumnachdrochit sind wir deswegen ausgestiegen, weil man von dort Bootsfahrten am Loch machen konnte. Während wir auf eine solche gewartet haben, haben wir uns eine Nessie-Ausstellung angeschaut. Darin kriegte man sämtliche Nessie-Sichtungen seit dem Mittelalter auf Papptafeln präsentiert und konnte sich einen schlechten Film anschaun, wo das, was auf den Papptafeln stand, nochmal wiederholt wurde. Und das um 5 Pfund! Ich schätze, die Ausstellung war hauptsächlich deswegen da, weil sie den benachbarten Souvenirshop promoten sollte, der zig Mal größer war, als die Ausstellung selbst. Darin konnte man einen Haufen Glumpat kaufen, hauptsächlich Nessie- Plüschtiere in allen Farben und Größen. Vor dem Laden stand auch eine riesige Nessie-Statue und ein Schild mit der Aufschrift "we believe". Na dann...
Später haben wir dann erfahren, dass wenige Meter neben der schlechten Nessie-Ausstellung noch eine war, die den Mythos ein bissl wissenschaftlichter angeht, viel umfangreicher ist und nicht believed. Aber Pech gehabt, vielleicht das nächste Mal. Dafür war unter der grauenhaften Nessie-Ausstellung eine Apotheke, wo ich mir für die folgende Nacht Ohropax kaufen konnte.
Dann gings also auf die Bootsfahrt in einem winzigen Boot namens "Nessie Hunter". Der dazugehörige lustige Schotte hat aber zu meiner großen Erleichterung keine Geschichten über das Monster erzählt, sondern uns über den See und seine nähere Umgebung informiert. Das war sehr interresant. Das Wetter war übrigens ein Traum! Nur SOnnenschein. Alle, die wir getriffen haben, haben behauptet, dass es der schönste Tag war, den sie das ganze Jahr über hatten Einen super Aublick auf den Loch hatte man auf dem Boot natürlich auch. Leider ist die Batterie von meiner Kamera mittendrinnen leer geworden. Bzw. eh nicht leider, weil sonst hätte ich wieder viel zu viele Fotos von ein und derselben Klippe, nur aus verschiedenen Blickwinkeln, was euch unheimlich gelangweilt hätte, auch wenn ihr das nicht zugeben wollt.
Vom Boot sind wir dann durchs Dorf zum Urquhart-Castle gegangen. Das schaut besonders beeindruckend und schottisch aus, weil es direkt am Ufer vom loch Ness ist. Es ist auch eine Ruine, weil es vor ein paar Hundert Jahren heldenhaft von den Besitzern in die Luft gesprengt wurde, damit es nicht in die Hand der Jakobiter fällt.
Nachdem wir uns nach der Schlossbesichtigung noch den riesigen Souvenirshop sowie einen (diesmal besseren) Kurfilm über das Schloss angeschaut haben, haben wir unseren Bus zurück nach Inverness versäumt und mussten so wies aussah, fast drei Stunden in der Pampa vorm Schloss warten. Schloss hatte auch schon zu. Also dort war wirklich nichts, gar nichts, außer Kühe und Schafe und sogar die waren ein paat hundert Meter weit weg. Und kalt wurde es langsam auch. Also sind wir zurück nach Drumnadrochit gewandert und haben dort im einzigen Pub/Restaurant für unsere letzten fünf Pfund Kaffee getrunken und Pommes gegessen.
So und weiter gehts in einem anderen Beitrag. Des liest mir ja sonst keiner.
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