Freitag, 2. Oktober 2009

Uni - Teil 2: Anekdoten

Dieser Beitrag wurde zweigeteilt, weil er sonst zu lange geworden wäre. Wenn Sie die Vorgeschichte noch nicht kennen, lesen Sie bitte zuerst den Eintrag unten.

Es ist jetzt übrigens für alle möglich, Kommentare zu hinterlassen, weil ich endlich gelernt habe, wie man das freigibt. Man muss bei dem Kastl zum Auswählen einfach auf "Anonym" gehen wenn man nirgends angemeldet ist. Gemeinheiten und Unwahrheiten, vor allem jene, die sich auf meine körperliche Statur beziehen, werden jedoch gnadenlos entfernt.

Also, wo war ich? Hab ich vergessen. Dann schreib ich stattdessen einfach über eine verwirrende Sache, die mir ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet, nämlich die Anrede der Professoren. Im Vorfeld meines Auslandsaufenthaltes hab ich einigen Professoren und Hauptverantwortlichen E-Mails geschrieben, um diverse organisatorische Dinge zu klären. Gemacht hab ich das vorsichtshalber in enorm förmlichem Englisch, á la

"Sehr geehrte, hocherlauchte Frau Lady Madame Professor - sama

>Inhalt<

Mit unterwürfigsten Grüßen, Ihre, Ihnen zu unendlichem Dank und mehreren Pizzen verpflichtete

 I. N. Temperate, Stud. Phil."

Das war aber, wie sich herausgestellt hat, eher unnötig, weil hier die Profs anscheinend mit ihren Studenten per Du sind. Meine Professorin hat mich gleich geduzt und nur mit ihrem Vornamen unterschrieben, was wohl eine Aufforderung an mich war, ihren Familiennamen plus Titel nicht zu benutzen. Das hat mich sehr gefreut, weil ich mag sowieso keine umständlichen Sprachumstellungen. Von mir aus könnte sich die ganze Welt nur duzen, so wie sie das in Schweden und bei IKEA machen. Am Montag waren wir dann auch gleich bei einem Pub-Quiz der English Society, wo sich diese freundschaftliche Atmosphäre bestätigt hat: die Professoren haben ganz locker gemeinsam mit den Studenten getrunken und geplaudert und haben sich nicht darüber aufgeregt, dass sie zur großen Schadenfreude aller Anwesenden beim Quiz nur Siebter geworden sind.

Das war jedenfalls die Anglistik. Aber die Anredegepflogenheiten sind scheinbar von Person zu Person verschieden. Am Anfang dieser Woche musste ich dem Kursleiter meines IR-Kurse eine Mail schreiben, weil ich Probleme mit der Tutorial-Anmeldung hatte. Aus vergangenen Fehlern lernend, hab ich mich diesmal entschlossen, eine etwas neutralere Höflichkeitsform zu benutzen. Keine Angst, ich hab eh nicht gleich geschrieben: "Hey oop, Pauli du oida Hund!", sondern eben Mr. S. verwendet. Man denkt sich, ja Mister ist gut, kein Mensch auf der Welt könnte was dagegen haben, Mister genannt zu werden, außer es handelt sich dabei um eine Frau bzw. um einen Menschen, der gerne beide Geschlechter in sich vereinen möchte. Das muss man respektieren, ich persönlich finde es auch bescheuert, dass man im Englischen immer noch zwischen Mrs. (verheiratet) und Miss (unverheiratet) unterscheidet. Das ist diskriminierend! Zusätzlich gibts auch noch Ms., keine Ahnung was das ist und ich wills eigentlich auch gar nicht wissen. MS heißt wahrscheinlich, dass man ein Schiff ist. Jedenfalls hat mir der Professor zurückgeschrieben ohne Anrede und alles (wie unhöflich) und der erste Satz lautete: "Es heißt Professor und nicht Mister!". Huch! Das hat mich dann ein bisschen deprimiert. Da lernt man seit Jahrhunderten Englisch und dann macht man so einen Fehler. Ich denke aber mittlerweile, dass der Typ einfach ein bisschen eigen ist. Meine Tutorin hat heute ein Gruppenmail an alle Teilnehmer ausgeschickt, in dem sie extra darauf hingewiesen hat, dass dieser spezielle Professor in Mails mit "Professor" anzureden ist. Mich hats nur irritiert, weil er im Unterricht recht witzig rübergekommen ist. Er hat z.B. gesagt, dass alle, die öfter als zwei Mal fehlen, in den Irak geschickt werden. Oder nach Frankreich. Weil im Irak und in Frankreich wissen sie, wie man mit Leuten umzugehen hat, die ihre Kurse nicht besuchen. Die größte Hürde dabei wäre wohl, rauszufinden was "Professor" auf Arabisch heißt (denn das ist die Amtssprache im Irak, wie mir Wikipedia gerade verraten hat).

Ein letzter Punkt im Uni-Bereich wäre noch mein gescheiterter Versuch, einen Japanisch-Kurs zu besuchen. Ich war am Mitwoch beim ersten Meeting der Japanese-Society, die auch einen enorm billigen Japanischkurs für Fortgeschrittene anbietet. In den konnte man sich das erste Mal gratis reinsetzen, was ich gemacht habe, um zu schaun, wie weit sie sind. Leider war der Stoff - und ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals über einen Japanischkurs sagen würde - zu leicht für mich. Die waren nach einem Jahr ca. auf dem Stand, auf dem wir auf der Japanologie nach einem Monat waren. Und ich bin leider erst nach drei Monaten komplett ausgestiegen, deswegen rentiert sich dieser Kurs vermutlich nicht für mich. Die Lehrerin hat das glaub ich auch nur Hobby-mäßig gemacht und eh auch angemerkt, dass ihr unwohl dabei ist, einen Fortgeschrittenenkurs zu halten. Schade, weil die Leute dort drinnen waren sehr nett, aber ich mag keine 50 Pfund für einen Kurs zahlen wo ich dann nix lerne.

EINE wichtige Sache hätte ich fast vergessen: außerhalb Österreichs klopfen die Studenten scheinbar nicht! Für alle Nicht-Studenten/Nicht-Österreicher: es ist an österreichischen Universitäten Brauch, dass die Studenten nach beendetem Monolog des Vortragenden, mit den Fäusten sanft auf ihre Tische klopfen, entweder um ihre Anerkennung bezüglich des Gesagten zu demonstrieren oder ihre Erleichterung, dass es endlich vorbei ist. Jedenfalls hat dieser Moment des Klopfens immer etwas Feierliches, um nicht zu sagen Magisches. Das Klopfen ist wie ein geheimer, wenn auch chaotischer Morsecode, der anzeigt, dass wir alle im selben Boot sitzen. Als ich angefangen habe, zu studieren, war ich jedenfalls ganz begeistert davon. Hier macht das niemand. Nach der Vorlesung stehen einfach alle auf und verlassen den Raum. Ich will impulsiv immer klopfen und ich weiß, dass ich es eines Tages unbewusst tun werde und dann werden mich alle komisch anschauen und es wird mir peinlich sein.

4 Kommentare:

  1. Aye, es funktioniert. Ich bin nicht angemeldet!

    Bussi,
    Ich

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  2. Zum Teufel damit und scheiß drauf und klopf einfach nach der VO! ^^ Was sind denn das f ür Sitten dort ;)

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  3. ja es fehlt schon irgendwas.... warst du schon auf der uni in japan? klopfen die leute dort? (wahrscheinlich nicht, weil sonst würden sie ja wen aufwecken ;))

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  4. hehe, man glaubt es oder nicht, aber wir waren jetzt ab und an auch dazu geneigt zu klopfen, aber es wird höchstens mal geklatscht und einmal haben wir es initiieren müssen, dass geklatscht wird! also das war sehr interessant zu erleben ;)

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